Donnerstag, Februar 28, 2008

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"Der schwarze Prinz haßte Rosen. Er haßte auch Tulpen und Anemonen und Paeonien und Lilien. Er haßte sogar Veilchen und Rittersporn, er haßte alles, was blühte oder sich irgendwie kultivieren ließ. Der Prinz war Vegetarier, aber nicht, weil er Tiere liebte, sondern weil er so viele Pflanzen wie möglich vernichten wollte."

Karen Duve: Die entführte Prinzessin

Montag, Februar 25, 2008

Isch 'abe gar keine 'obel

Samstag morgen, 7.31Uhr
Mühsam robbe ich an den Rand meines Bettes und versuche wach zu werden. Um 8.00 Uhr wollen die IKEA-Mitarbeiter kommen und endlich die letzte Arbeitsplatte tauschen. Ein toller Tag!
Ein Blick in den Spiegel verrät mir, dass ich ungefähr so frisch aussehe, wie ein Klingelbällchen, das eine ganze Nacht mit Pookah gespielt hat, aber egal, ich habe ja noch ein bisschen Zeit.

7.34 Uhr
Es klingelt an der Tür. Panisch greife ich nach den nächstbesten Kleidungsstücken und versuche mich zumindest optisch in einen menschenähnlichen Zustand zu versetzen; J öffnet derweil schon mal. Frage mich, wie man an einem Samstag Morgen zu früh zu einem Termin kommen kann. Verstößt sowas nicht gegen irgendein Gesetz?

7.36 Uhr
Wir stehen alle in der Küche und starren auf die Arbeitsplatten. Während Handwerker 1 die Übergangsstellen bekuckt, beginnt Handwerker Nummer 2 mit einer Hand ein paar herumliegende Krümel zusammenzustreichen und sieht mich an, als würde er mir gleich mitteilen wollen, dass ich grade durchs Casting für „Deutschland sucht die Superhausfrau“ gefallen bin. Wäre es nicht so früh, wäre mir das jetzt glatt peinlich.

7.37 Uhr
Handwerker 1 hebt an, dass seine Vorgänger die zurechtgesägten Platten an den Nahtstellen ja sehr schön mit einem Hobel angeschrägt hätten. Ich nicke intelligent und weise drauf hin, dass die Platten an den Kanten ja an sich schon angeschrägt seien und alles andere sonst auch blöde ausgesehen hätten. Stimmt, meint er.....aber er könne das nicht. Also das Anschrägen könne er nicht machen, sie hätten nämlich keinen Hobel. Ich kucke auf seinen riesigen Werkzeugkoffer. „Sie haben keinen Hobel?“ Er nickt: „Wir haben keinen Hobel!“
Jetzt würde ich ihn gerne packen und schütteln und schreien, warum zum Geier er als Küchenbauer keinen Hobel hat. Mein Vater ist Klempner und hat so ein Ding, warum dann nicht er als Handwerker, der er ständig mit Holz zu tun hat???
Aber natürlich bin ich dazu zu gut erzogen (und auch viel zu müde) und so sage ich nur ganz eloquent „oh.....äh...und nun?“.
Und da kommen sie auch schon, DIE Sätze: „Tja, dann müssen wir wohl noch mal wiederkommen“ und "die Zentrale meldet sich dann bei Ihnen wegen eines Termins und zwar noch heute". Wir kucken uns alle an, nicken und tun so, als würden wir das wirklich glauben. Ich tue das natürlich nicht, denn nach unserer kleinen privaten Statistik dauert es nicht einen, sondern 8 Tage, bis sich jemand meldet. (Wobei das jetzt aber nicht heißen soll, dass wir generell erst nach 8 Tagen angerufen wurden, manchmal kam auch schon nach 2 Tagen ein Anruf der besagte, dass leider derzeit noch nichts über einen neuen Termin gesagt werden könne, man sich aber später noch mal melden würde.) Hurra, es heißt also wieder: Warten auf Godot 'tschuldigung IKEA.

7.48 Uhr
Die Tür fällt ins Schloss. Ich beginne hysterisch zu lachen und male mir schon mal aus, was dann beim nächsten Termin schiefgehen könnte.

a. Die Handwerker kommen, haben einen Hobel dabei, aber die Platte, die sie mitbringen hat von vornherein eine Macke und wird deswegen gar nicht erst eingebaut.

b. Sie haben eine heile Platte dabei, sägen die auch richtig zurecht, aber beim Einsetzen beschädigen sie dummerweise eine der anderen Platten, so dass die dann wieder ausgetauscht werden muss. Oder

c. Wir kriegen eine neue, heile, passende Arbeitsplatte und alles wird gut, aber beim nächsten IKEA-Besuch stellen wir fest, dass überall in der Filiale unsere Bilder hängen, wir zu Unkunden erklärt wurden und lebenslang deutschlandweit Hausverbot bekommen haben.


Wetten hierzu werden gerne entgegen genommen.

Mittwoch, Februar 20, 2008

Tür zu, es zieht!

Dank der derzeit doch recht frostigen Temperaturen werde ich im Moment regelmäßig mit eben diesen "freundlichen" Worten abends von Pookah empfangen. Wobei das eigentlich gelogen ist, denn sie empfängt mich gar nicht. Statt an der Hautür in einen beglückten Freundentaumel ob meiner Wiederkehr auszubrechen, bleibt sie lieber da, wo sie schon den Rest des Tages verbracht hat; nämlich in einer von ihr zurechtgekuschelten warmen Mulde unter meiner Bettdecke. (wie sie da Luft bekommt weiß ich nicht, eventuell atmet sie durch das Pfötchen, das sie von Zeit zu Zeit rausstreckt)

Wenn sie mich also begrüßen will, muss ich (!) einmal quer durch die Wohnung laufen und ihr meine Heimkehr mitteilen. Mit etwas Glück kommt sie dann hervor, streckt sich einmal und kuschelt sich an mich. Aber wenn es wirklich kühl ist, bleibt sie doch lieber da wo sie ist und ich darf dann nur mit dem kleinen Deckenhügel kommunizieren, (Decke anheben und die Miez womöglich wecken ist übrigens verpönt und wird mit Schmollen nicht unter einer halben Stunde bestraft). Habe ich Pech, stelle ich dann nach einiger Zeit fest, daß die Katze gar nicht da ist wo ich sie vermute, sondern tatsächlich die ganze Zeit hinter mir gesessen und zugesehen hat, wie ich ein angeregtes Gespräch mit meiner Bettdecke führte. Ganz ehrlich: wenn Blicke telefonieren könnten, wäre ich schon längst in Ochsenzoll. Ich hoffe auf jeden Fall sehr auf den Frühling, dann liegt sie nämlich auf der Decke und ich kann mir diese Szenen sparen.

(An alle Nichtkatzenbesitzer: Nein, es ist keine Option Katzen nicht zu begrüßen. Man ignoriert ja schließlich auch nicht den Chef, wenn man morgens ins Büro kommt *g*)

Dienstag, Februar 12, 2008

Baustellenreport 6 - Küche und Wohnzimmer

Seit 8 Wochen wohnen wir nun schon in unserer neuen Wohnung in Lüneburg. Und es ist, zumindest von mir gefühlt, noch sehr viel zu machen. Hier fehlen noch Fußleisten, da Lampen und auch der Küchenausläufer ist noch nicht von hinten verkleidet.
Aber trotzdem ist so langsam auch Land in Sicht.
Wir haben tatsächlich nur noch einen einzigen Karton, der ausgepackt werden muss (aber leider nicht kann) und auch wenn noch nicht alles fertig ist, werden die Räume doch in kleinen Schritten immer ein wenig wohnlicher und gemütlicher.
Letztes Wochenende habe ich die alten Fotos rausgesucht, die wir zu Beginn der Renovierungsphase im Wohnzimmer gemacht haben und diese mit aktuellen Bildern, die aus einer ähnlichen Perspektive aufgenommen wurden, verglichen. Die Veränderung ist selbst für mich unglaublich, obwohl ich ja in allen Phasen des Umbaus dabei war. Aber irgendwie habe ich einen guten Teil davon anscheinend schon verdrängt.

Wohnzimmer und Küche


Die neue Küche gefällt mir sehr, auch wenn wir ihretwegen leider eine Menge Stress mit IKEA hatten bzw. immer noch haben. Wobei die Hauptschuld aber nicht unbedingt bei IKEA liegt, sondern einfach daran, dass das Haus in welchem unsere Wohnung liegt, sehr sehr alt ist und sämtliche vorhandenen Ecken und Winkel von Herrn Lovecraft erdacht zu sein scheinen.
Das hat der Aufmaßservice nur leider übersehen, was zur Folge hatte, dass die Hälfte der Schränke von hinten individuell Keilförmig gekürzt werden musste, damit man sie überhaupt einpassen konnte. Dadurch passt nun u.a. das geplante Rondell nicht mehr in den Eckschrank, und in einen der Vitrinenschränke mussten wir ein wenig improvisieren, da die netten Handwerker in ihrem Elan alles passend zu machen, mal eben die Lochreihen für die Einlegebodenhalterungen (Geiles Wort, oder? ;o) ) weggesägt haben. Aber egal, wir haben schon ganz andere Probleme gelöst und nun ist der Schrank zwar nicht perfekt, aber dafür hat er Charakter!
Wesentlich ärgerlicher ist da die Sache mit den Arbeitsplatten. Von den 3 gelieferten Exemplaren war eine 25 cm zu kurz, die zweite hatte eine Macke im Holz und die dritte ist in der Mitte gewölbt, so dass die Übergangsstellen knubbelig aussehen.
Das hätte man in einem Rutsch austauschen können? Hat man aber nicht.
Die IKEA- Küchenbauer kommen lieber alle paar Wochen vorbei, bringen eine neue Platte mit und puzzeln dann ein bisschen in unserer Küche rum. Warum das so ist, haben wir noch nicht ganz verstanden: Will IKEA eine tiefere Kundenbindung erreichen, müssen die Arbeitsplatten erst gedrechselt werden, oder haben uns einfach die Küchenbauer so lieb, dass sie eine endgültige Trennung noch nicht verkraften können? Ich kann die Herren ja fragen, wenn sie das nächste mal kommen.

Freitag, Februar 01, 2008

Sprachlos

An sich halte ich mich für einen relativ schlagfertigen Menschen und ich bin auch wirklich selten um einen Spruch verlegen, aber manchmal fehlen auch mir die Worte. So zum Beispiel vorgestern in der Bahn. Schräg vor mir saß auf einem Viererplatz ein Mann, Typ: ich bin jung, ich bin erfolgreich, ich bin wichtig. Kurz bevor wir losfahren kommen ein paar Jungs aus einer Schulgruppe an ( alle so10-11 Jahre alt) und fragen ihn wirklich höflich, ob sie sich dazu setzen könnten. Da dreht sich der Kerl um, kuckt die Kinder herablassend an und meint dann kalt :" Aber nur, wenn ihr Zwerge mir versprecht die Fahrt über die Schnauze zu halten!"

Da hat es dann doch etwas gedauert, bis ich (genau wie alle anderen) die Sprache wiedergefunden habe.