Sonntag, August 31, 2008

Wiesu tun sie su?

Laut Internet gibt es bei der Bundeswehr die Regelung "Ab einer Wassertiefe von 1 m(METER) hat der Soldat selbstständig zu beginnen, Schwimmbewegungen auszuführen". Ich persönlich würde in diesem Stile gerne ein Gesetz für die ganze Menschheit erlassen, das da lautet: "Spätestens nach Erreichen der Volljährigkeit, hat der Mensch selbständig zu beginnen, sein Gehirn zu benutzen." Denn allein an diesem Wochenende hatte ich mehrfach die Gelegenheit über das Tun und Denken meiner Mitmenschen fassunglos den Kopf zu schütteln.
Angefangen hat das am Freitag am Hauptbahnhof, als ich mich mal wieder durch eine Reisegruppe kämpfen mußte, die als Treffpunkt "direkt am Zugang zu Gleis 13 und 14" ausgemacht hat. Und weil ja gesagt wurde "direkt am Zugang", haben die sich auch brav alle daran gehalten: und zwar so, dass jede Polizei-Kette dagegen lückenhaft wirken würde. Und da standen sie nun wie die deutschen Eichen und wichen keinen Millimeter zur Seite. Feierabendverkehr? Egal! Andere Reisende würden gerne einen der einfahrenden Züge unten erreichen? Egal! Der Treffpunkt war so vereinbart und deswegen fühlte sich jeder dieser Menschen absolut im Recht da zu stehen und den Zugang zu blockieren. Ich weiß echt nicht, was schlimmer ist - Gruppenleiter, die einen Engpaß als Treffpunkt festlegen, oder Gruppenmitglieder, die sich auch noch daran halten und nicht auf die Idee kommen 2 m zur Seite zu rücken.

Weiter ging es dann gleich gestern Abend auf der langen Open Air Rocknacht in Winsen. Auftreten sollte u.a. auch Nena und weil Nena ja auch mal Kinderalben gemacht hat, hatten nun so einige Eltern ihre Kinder mitgebracht. Ob das man so'ne gute Idee ist? War's dann irgendwie nicht, denn sämtlich Eltern mußten schon beim ersten Lied feststellen, dass Rockmusik laut ist (eine kleine Anmerkung - das was Nena live spielt hat recht wenig mit den Radioversionen gemein), und dass kleine Kinder in einer Menge tanzender, singender und springender Erwachsener nicht so wahnsinnig gut aufgehoben sind. Nennt mich besserwisserisch, aber ganz ehrlich, das hätte man sich doch vorher denken können, oder?

Unverständlich fand ich auch die 3 Raucher in meinem Umkreis, die sich doch tatsächlich bei den Unstehenden beschwert haben, dass diese nicht so viel tanzen und springen sollen, das wäre ja doch recht gefährlich, wegen ihrer brennenden Zigaretten. Bitte? Jetzt mal ganz ehrlich, neben der Tatsache, dass Rauchen in einer großen Menschenmenge ungefähr so höflich ist, wie Pupsen in Fahrstühlen, wie kommt man bitte auf die Idee, den Besuchern eines Rockkonzertes mit Stehplätzen das Tanzen und Springen zu verbieten???

Heute Nachmittag hatte ich dann noch ein tolles Erlebnis aus der Kategorie "Menschen, Tiere, Mißverständnisse". Schauplatz: Der Kreidebergsee; ein idyllischer kleiner See hier in Lüneburg. Vogelschutzgebiet, wie ich vielleicht noch dazu sagen sollte. J und ich haben das schöne Wetter genutzt, einen kleinen Bummel zum See gemacht und uns da gemütlich auf einem großen Stein nierdergelassen. Plötzlich tauchen 2 Muttis mit ihren Kinderwagen auf und lassen sich ca. 1 m neben uns nieder, denn die restlichen 800 m² Rasenflächen sind ja auch langweilig und doof. Die Kinder werden aus ihren Buggies befreit, die Muttis ziehen Brot aus 2 Brottüten aus ihren Taschen und beginnen die Enten damit zu bewerfen. Wie? Sorry, aber Leute, die ganze Brotscheiben schmeißen, füttern in meinen Augen nicht, die bewerfen! Und während sie das tun, unterhalten sie sich darüber, dass sie beim letzten mal, als sie am Kreidebergsee Enten füttern waren, ja so ganz gemein von dem dort lebenden Schwan angegriffen wurden. Ich horche auf und frage mich im Stillen, was die beiden wohl denken läßt, dass es dieses mal nicht wieder passieren wird. Denn besagt Schwan steht nur ca. 20 m von uns entfernt.
Und richtig, der King of Kreidebergsee, ein echter Koloss aus der Gattung der Höckerschwäne, sieht die mampfenden Enten und beginnt zielsicher von hinten auf Mutti 1 zuzuwatscheln. Die beginnt etwas hektischer ihr Brot unter den Enten zu verteilen, während die Kinder schon mal langsam den Rückzug antreten, was ich ganz gut verstehen kann. Ich würde schließlich auch abhauen, wenn ein schlechtgelaunter Vogel, der Problemlos über mich rüberkucken kann, auf mich zuwalzt. Und nun kommt es, wie es kommen muß, die Kinder schieben Panik, die Muttis versuchen die Kinder davon zu überzeugen, dass der Schwan ganz lieb ist, während sie gleichzeitig hektisch den Rückzug antreten und ich - ich sitze da und amüsier mich. Allerdings nur so lange, bis der Schwan beschließt, dass ich auch zur Truppe gehöre und anfängt, mich ins Bein zu zwicken *. Insofern treten wir dann mal gemeinsam mit dem Rest den Rückzug an und erkläre den lamentierenden Frauen, dass der Schwan nicht böse, gemein und gefährlich ist, sondern sich einfach nur verhält, wie wildlebenden Schwäne sich nun mal verhalten (ja, echte Tiere verhalten sich nun mal nicht, wie WAlt DIsney uns das mit seinem vielen schönen Zeichentrickfilmen glauben machen wollte). Und in einem Vogelschtzgebiet darf er das sogar. Sie hören mir sogar zu, aber ganz ehrlich? Ich bin fast bereit darauf zu wetten, dass die beiden nächstes Wochenende wieder mit ihren Kindern dort hinfahren werden, um die Enten zu füttern. Denn der Schwan hat sich falsch verhalten, nicht sie.

Kann mir mal einer die Menschen erklären?

*Ja, kleine Sünden bestraft der liebe Gott gleich.

1 Kommentar:

Britta hat gesagt…

Oh ja, es gibt einigen Grund sich über seine Mitmenschen zu ärgern!