Sonntag, September 14, 2008

Klassische Konditionierung

Der Russe Iwan Petrowitsch Pawlow hat vor ungefähr 100 Jahren herausgefunden, dass Hunde sehr lernfähig sind und man sie z.B. mit Hilfe eines Tonsignals auf ein bestimmtes Verhaltensmuster trainieren kann. Pawlow ließ eine Glocke ertönen, zeigte den Hunden Futter und prompt fingen diese an zu sabbern. Und ganz bald brachten die Hunde den Glockenton mit Futter in Verbindung und fingen schon an zu sabbern, sobald sie nur das Gebimmel hörten. Klassische Konditionierung halt!
Dass das nicht nur mit Hunden, sondern mit Säugetieren generell funktioniert, lässt sich sehr gut mit Hilfe von Pookah demonstrieren. Und zwar mit folgendem Trick:
Vor einiger Zeit stand das kleine Katzenmädchen mitten im Wohnzimmer und fing da lauthals an, kläglichst zu maunzen. Als gute Katzenbesitzerin bin ich, eingeklemmte Pfötchen und Schlimmeres vor Augen, natürlich sofort hingelaufen und haben gekuckt, was ihr fehlt. Es war aber nix, außer einer fröhlichen kleinen Katze, die sich sofort laut schnurrend an mich gekuschelt hat.
Einen Tag später dann das gleiche Spiel: im Wohnzimmer steht ein kleines Tigerkatz, schreit auf das kläglichste ihr Leid in die Welt, lässt sich dann aber von mir sofort beruhigen und hat äußerlich keinerlei Gebrechen.
(Um an dieser Stelle kurz mal allen die Pookah kennen das Geräusch zu beschreiben, das sie so von sich gibt: nehmt das kleine, leise, herzerweichende Mau, das sie von sich gibt wenn ihr da seid und stellt euch genau diesen Laut mit viel Nachdruck durch ein Megaphon gegröhlt vor. Dann habt ihr es ungefähr.)
Auf jeden Fall hat sich dieses merkwürdige Phänomen so oft wiederholt, bis ich mir endlich sicher sein konnte, dass Pookah gar nichts fehlt, sondern die ganze Schreierei nur ein ausgeklügelter Trick ist, um jetzt und hier und auf der Stelle meine volle Aufmerksamkeit zu bekommen. Und da kommen wir zu Pawlows Experiment mit dem Tonsignal (in diesem Falle das Mau), das einen antrainierten Reflex (sofortige liebevolle Aufmerksamkeit inklusive viel Fellgewuschel) auslöst. Demütigend, oder? Ich schätze, ich sollte mich wohl langsam von dem Gedanken verabschieden, dass wir Menschen diejenigen sind, die die Katzen erziehen.

Kommentare:

Leo und Tanja hat gesagt…

Hihi, passt bloß auf, als nächstes wird sie entdecken, dass das Maunzen um 4h morgens noch viel besser durch die Wohnung hallt (keine Störgeräusche und so). Irgendwo hab ich mal gelesen, dass bei Hauskatzen eine angeblich irgendwie nachweisbare evolutionäre Entwicklung dazu geführt hat, dass heute nur noch Katzen existieren, die besonders laut und kläglich miauen und so das von Dir beschriebene menschliche Verhalten plus Füttertrieb auslösen...
Ich bin geneigt, dieser Theorie Glauben zu schenken. :)
LG
Tanja

Line hat gesagt…

Ich überlege gerade ob es in letzter Zeit irgendwo online oder so einen Bericht über diesen Versuch gab, und ob unsere felligen Aliens nachts heimlich an den rechner gehen um sich über derartiges zu informieren... Emmy spielt im Moment nämlich genau das gleiche Spiiel mit mir!
Du bist also nicht die einzige die gedemütigt wird.

Birgit hat gesagt…

Dass die Evolution Schuld ist, kann ich mir nicht so recht vorstellen - aber schon, dass es irgendwo auf Youtube einen Übungskurs zum kläglich Maunzen gibt. Das würde dann auch die vielen Katzenhaare auf unseren Drehstühlen erklären.

Chris hat gesagt…

Kinder koennen das auch. Also, nicht miauen, aber konditionieren. Baby Yo weiss genau wo unser Schlafzimmer ist und koennte in selbiges getabst kommen wenn sie nachts aufwacht. Andererseits kann man auch greinen und darauf warten, dass Mama oder Papa sie ins elterliche Bett tragen...

Birgit hat gesagt…

@Chris
Na komm, zwischen Yolandas Zimmer und eurem Schlafzimmer liegt aber auch ein ziemlich langer dunkler unheimlicher Flur; da würde sich jeder lieber ins Bett stellen und weinen bis er abgeholt wird. Denn schließlich weiß man doch, dass im Dunkeln die Monster rauskommen, die sich tagsüber unter den Möbeln verkriechen (nein, ich meine nicht Wollmäuse!).