Mittwoch, Oktober 22, 2008

Viva la Evolution

An sich bin ich ja kein großer Computerspielefan, aber ich muß gestehen, dass es mir Spore irgendwie angetan hat. Es macht einfach eine Menge Spaß sich so ein knuddeliges kleine Wesen zusammenzubasteln und dann nach einer fröhlichen Schwimmstunde in der Ursuppe endlich das Festland zu erobern. Vor allem haben es mir ja die vielen Ausbauten angetan, die man seiner Kreatur so mitgeben kann - vor allem so wichtig Dinge wie Kulleraugen, Knubbelfüßchen oder Prunkpuschel (nicht was ihr jetzt denkt). Und mein kleines Cuty Green hat auch alles, was ein knuddeliges Wesen meiner Meinung nach braucht. Und trotzdem.....und trotzdem werde ich immer wieder von den anderen Wesen des Sporelandes verfolgt, verkloppt und aufgefressen. Aber ich mag nicht vom "Knuddeligkeit siegt"-Pfad abweichen, denn der Spaß des Spiels liegt bei mir nun mal eindeutig darin, ein möglichst niedliches Wesen in die Welt zu entlassen. Und so kam es dann, dass die zweite Partei dieses Haushalts, nachdem ich das fünfte mal vom gleichen Vieh überrumpelt wurde, mir ein trockenes"Also so richtig überlebensfähig bist du irgendwie nicht!" von rechts über die Schulter zuraunte. Unverschämtheit!!!

Dass er mit der Bemerkung dann aber irgendwie doch nicht so unrecht hat, ist mir dann heute morgen bewußt (gemacht) worden. An sich ein Morgen wie jeder andere: Aufstehen um 6.00 Uhr, im Halbschlaf duschen, Tee kochen, und mich fertig machen. An der Tür dann noch mal kontrollieren, ob ich auch wirklich alle wichtigen Dinge in der richtigen Reihenfolge angezogen habe (ja, wenn ich müde bin, bin ich zu seltsamen Aktionen fähig) und dann ab in Richtung Bahnhof. Da ich ein bißchen spät dran bin, zwinge ich mich den ersten Teil des Weges zu joggen und erst an der großen Kreuzung vor der Ilmenau wieder anzuhalten. Denn selbst im übermüdeten Zustand weiß ich, dass es keine gute Idee ist während der Hauptverkehrszeit bei rot auf eine vierspurige Straße zu rennen. Aber endlich ist grün und ich trabe wieder los; schließlich habe ich es eilig. Und eilig hat es anscheinend auch der erste Linksabbieger in der Reihe, denn der gibt V0llgas und schlingert mit quietschenden Reifen direkt auf mich zu. "Oh" sage ich, während mein Verstand innerlich wild mit den Armen rudert und "ganz schlecht, ganz schlecht, weg, weg" brüllt. Irgendwann kommt dieses "weg" dann auch bei meinen Beinen an und ich versuche nach rechts auszuweichen. Dummerweise ist das aber auch die Route des Fahrers, der sich (vermutlich) gedacht hat "oh, da steht ja ein Fußgänger - fahr ich doch einfach mal außen rum" und immer noch auf mich zusteuert. Und jetzt wird hektisch, denn egal wohin ich ausweichen will, er hat dieselbe Idee und kommt mir nach. Nicht gut!
Statt mich nun einfach mit einem beherzten Actionheld-Sprung zurück auf den Bügersteig zu retten (eine Lösung, die ich sofort verwerfe, weil ich mir die Klamotten nicht einsauen will), schaltet mein Überlebensinstinkt einfach auf stur, sagt sich"nö, das ist mir jetzt echt zu blöde" und bringt mich dazu einfach an Ort und Stelle stehenzubleiben und dem Fahrer das Ausweichen zu überlassen. Hallo liebe Instinkte, was bitte ist das für eine Taktik?

Der Fahrer wird nun langsam ein bisschen panisch und beschließt das einzige zu versuchen, dass er noch nicht ausprobiert hat - nämlich bremsen. Und das klappt dann endlich; ca. 15 cm vor mir kommt der Wagen quietschend zum Stehen. Ich sehe den Fahrer an, er sieht mich an - und dann schütteln wir synchron den Kopf, er wedelt mit den Händen, dass ich endlich verschwinden soll und ich wedle mit den Händen Richtung Ampel, dass ich ein Recht habe mich auf der Straße zu befinden, denn die Fußgängerampel ist immer noch grün. Zwei Sekunden später hören wir dann auf zu wedeln, beschließen (vermutlich) synchron, dass der andere ein Depp ist und während ich meinen Weg in Richtung Bahnhof fortsetze und leise "Schwachkopf" murmle, höre ich ihn hinter mir mit quietschenden Reifen losfahren. Hoffentlich hatten die nächsten Fußgänger genausoviel Glück.

Aber ganz ehrlich - ich frage mich jetzt doch ein bisschen, wie ich mit so miesen Instinkten die letzten 32 Jahre überleben konnte.

Kommentare:

Bettina hat gesagt…

Hallo Birgit,

wie du überleben konntest? Na du bist verhaltensoriginell - ein Wort aus den österreichischen Landen. Und verhaltensoriginelle Leute haben ein Recht auf Artenschutz :o)

Übrigens: Ich versinke in aller Regelmässigkeit in Anno und Pharao und Cleopatra und Zeus und Odysseus und baue mir ganze Ländereien - udn natürlich müssen sie hübsch sein - nicht funktional. Was sich spätestens beim nächsten Brand, Seuche, einstürzenden
Haus schmerzlich bemerkbar macht. Ergo: Spielentwickler verhalten sich beim Spiele entwickeln kontralogisch dem weiblichen Anwender :o)

Caythlin hat gesagt…

wir sitzen hier zu Dritt und haben Tränen gelacht (vielleicht, weil wir schon in ähnlichen Situationen waren, uns aber die passenden Worte fehlten?!?!??!)
Cay, Caterina und Julchen

Birgit hat gesagt…

"Verhaltensoriginell" gefällt mir, das Wort muß ich mir merken *g*.

Britta hat gesagt…

Ist das eigentlich ein Online-Spiel oder kann man das auch ohne Internetanschluss spielen?

Britta, die nicht unbedingt ein Freund von Online-Spielen ist.

Birgit hat gesagt…

Nein, Spore ist kein online-Spiel. Es hat zwar einige Features, die man nur im online-Modus nutzen kann (z.B. das Herunterladen von zusätzlichen Wesen), aber die habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht ausprobiert. Ich spiele eigentlich immer nur im offline-Modus.