Montag, August 30, 2010

Hör mal wer da hämmert

Eigentlich hieß es, die Handwerker würden nur das Bad und die Küche in der Wohnung über mir ausbauen, aber den derzeitigen Geräuschen nach, wird sich mindestens einer der beiden in spätestens 10 Minuten durch den Fußboden direkt in unsere Wohnung gestemmt haben. Ob ich bis dahin vielleicht noch ein bisschen aufräumen sollte? Ich meine - ich will im Falle des Falles ja schließlich keinen schlechten und unordentlichen Eindruck machen.

(Die Katzen liegen übrigens glücklich und entspannt püselnd auf dem Sofa bzw. im Bücherregal - anscheinend ist ihr Urvertrauen in die Bausubstanz größer als meins.)

Montag, August 23, 2010

Wie weich in der Birne sind wir wirklich?

Man sagt ja im Allgemeinen, Lesen würde bilden. Und ich finde da ist auch was dran. Rezensionen schreiben bildet übrigens auch, denn da liest man ja nicht nur, sondern muss hinterher auch noch was Kluges über das Buch schreiben und hier und da ein wenig recherchieren. Dummerweise lernt man dabei aber manchmal Sachen, die man eigentlich nie wissen wollte. Wie zum Beispiel ich in dieser Woche.

Das Buch selbst gab sich ganz harmlos - Krimi, spätviktorianisches Setting, medizinisches Umfeld - und las sich zunächst auch recht schlüssig. Bis ich erst über die Aussage, gelöstes Hirn besäße die Konsistenz von Gelatine, und dann über diesen Satz hiergestolpert bin: „Trotzdem gelang es mir, das Gehirn zu entfernen, das – wie Turk so treffend bemerkt hatte – sich wie eine Pampe aus ungaren Eiern anfühlte, und legte es in ein großes Glasgefäß mit Formaldehydlösung, die als Fixiermittel diente.“

Hm, das klang für mich irgendwie falsch, auch wenn die Anzahl der frischen Hirne, die ich bisher in den Händen gehalten habe, bei Nullkommanullnichts liegt (was im Übrigen bitte auch so bleiben soll) und ich von Autopsien keine Ahnung habe. Aber zum Glück arbeite ich ja in einem medizinischen Fachbereich, wo eine Menge Leute rumlaufen, die in puncto Sektionen mehr Erfahrung haben und insofern Bescheid wissen. Mein Problem war nur: Wie fragt man kurz und knapp - Ärzte haben ja immer so wenig Zeit- nach der Konsistenz von frischem menschlichen Hirn, ohne gleich psychopathisch zu wirken?

Locker nebenbei in der Bibliothek: „So, ich habe ihre Bücher bis zum 15.09. verlängert. Können Sie mir vielleicht noch kurz erklären, wie sich ein frisches Gehirn so anfühlt?“

Oder vielleicht als Kantinensmalltalk: „Hallo Herr Dr. Meiermüllerschulz, wie ich sehe haben Sie sich für Wackelpudding entschieden. Stimmt es eigentlich, dass der die gleiche Konsistenz wie ein Gehirn hat?“

Oder ganz offen und direkt in die Runde: "‘Tschuldigung, wer von Ihnen hatte schon mal ein Gehirn in der Hand und würde mir in einem Vieraugengespräch mehr darüber erzählen, wie sich das anfühlt?“

Keine leichte Aufgabe, denn Gehirne sind, egal wie man es dreht und wendet, einfach kein besonders gutes Smalltalkthema. Zum Glück erlöste mich dann aber eine Freundin – ihrerseits frischgebackene Ärztin, aber mit viel Zeit für blöde Fragen – aus meiner Grübelei und klärte mich netterweise detailliert darüber auf, welche Konsistenz sowohl frische als auch kranke und alte Hirne haben (die Buchbeschreibung ist anscheinend nur bedingt korrekt... aber mehr möchte ich dazu jetzt gar nicht schreiben und ihr vermutlich auch nicht lesen).

Ganz ehrlich? Ich bin jetzt zwar ein Stückchen schlauer als zuvor, aber wenn ich so darüber nachdenke - eigentlich hätte ich diese Bildungslücke doch lieber offen gelassen.