Montag, August 23, 2010

Wie weich in der Birne sind wir wirklich?

Man sagt ja im Allgemeinen, Lesen würde bilden. Und ich finde da ist auch was dran. Rezensionen schreiben bildet übrigens auch, denn da liest man ja nicht nur, sondern muss hinterher auch noch was Kluges über das Buch schreiben und hier und da ein wenig recherchieren. Dummerweise lernt man dabei aber manchmal Sachen, die man eigentlich nie wissen wollte. Wie zum Beispiel ich in dieser Woche.

Das Buch selbst gab sich ganz harmlos - Krimi, spätviktorianisches Setting, medizinisches Umfeld - und las sich zunächst auch recht schlüssig. Bis ich erst über die Aussage, gelöstes Hirn besäße die Konsistenz von Gelatine, und dann über diesen Satz hiergestolpert bin: „Trotzdem gelang es mir, das Gehirn zu entfernen, das – wie Turk so treffend bemerkt hatte – sich wie eine Pampe aus ungaren Eiern anfühlte, und legte es in ein großes Glasgefäß mit Formaldehydlösung, die als Fixiermittel diente.“

Hm, das klang für mich irgendwie falsch, auch wenn die Anzahl der frischen Hirne, die ich bisher in den Händen gehalten habe, bei Nullkommanullnichts liegt (was im Übrigen bitte auch so bleiben soll) und ich von Autopsien keine Ahnung habe. Aber zum Glück arbeite ich ja in einem medizinischen Fachbereich, wo eine Menge Leute rumlaufen, die in puncto Sektionen mehr Erfahrung haben und insofern Bescheid wissen. Mein Problem war nur: Wie fragt man kurz und knapp - Ärzte haben ja immer so wenig Zeit- nach der Konsistenz von frischem menschlichen Hirn, ohne gleich psychopathisch zu wirken?

Locker nebenbei in der Bibliothek: „So, ich habe ihre Bücher bis zum 15.09. verlängert. Können Sie mir vielleicht noch kurz erklären, wie sich ein frisches Gehirn so anfühlt?“

Oder vielleicht als Kantinensmalltalk: „Hallo Herr Dr. Meiermüllerschulz, wie ich sehe haben Sie sich für Wackelpudding entschieden. Stimmt es eigentlich, dass der die gleiche Konsistenz wie ein Gehirn hat?“

Oder ganz offen und direkt in die Runde: "‘Tschuldigung, wer von Ihnen hatte schon mal ein Gehirn in der Hand und würde mir in einem Vieraugengespräch mehr darüber erzählen, wie sich das anfühlt?“

Keine leichte Aufgabe, denn Gehirne sind, egal wie man es dreht und wendet, einfach kein besonders gutes Smalltalkthema. Zum Glück erlöste mich dann aber eine Freundin – ihrerseits frischgebackene Ärztin, aber mit viel Zeit für blöde Fragen – aus meiner Grübelei und klärte mich netterweise detailliert darüber auf, welche Konsistenz sowohl frische als auch kranke und alte Hirne haben (die Buchbeschreibung ist anscheinend nur bedingt korrekt... aber mehr möchte ich dazu jetzt gar nicht schreiben und ihr vermutlich auch nicht lesen).

Ganz ehrlich? Ich bin jetzt zwar ein Stückchen schlauer als zuvor, aber wenn ich so darüber nachdenke - eigentlich hätte ich diese Bildungslücke doch lieber offen gelassen.

Kommentare:

Caythlin hat gesagt…

Eyyyyy......
ICH hätt jetzt schon gerne die Auflösung! WIE fühlt es sich denn nun an???

Birgit hat gesagt…

Na ja, der Eiervergleich ist wohl nicht schlecht, allerdings soll es sich eher wie das Weiße eines mittelhart gekochten anfühlen. Also schon nachgiebig, aber (im gesunden Fall) nicht glibberig. Und auf jeden Fall soll es soviel Substanz haben, das man es problemlos schneiden kann, ohne dass es zerfällt.

hafmey hat gesagt…

Frisch ist es ein bißchen weicher als Eierstich und je länger kein Leben mehr drin ist, desto flüssiger wird's. Über die Konsistenz würde ich mir aber wneiger Gedanken machen als über eine andere Eigenschaft... (ich führe das mal nicht aus ;) )

Caythlin hat gesagt…

okeee.....
Gehirn stinkt also *konstatiere*.

Gibt es da einen kausalen Zusammenhang zu eventuellen Gedanken, mit denen das Gehirn zeitlebens hauptsächlich beschäftigt war?
Pfuuuuhhh... sorry - ich glaube, heute Morgen bin ich etwas schräg drauf.....

BrittavdB hat gesagt…

Das war jetzt ein so wunderbar skuriler Beitrag, dass er meinen Tag erhellt hat :-) Und sollte in einer meiner Geschichten mal ein Gehirn frei, also quasi exhibitionistisch durch die Szene toben, weiß ich jetzt Bescheid. Das nennt sich dann effektive Sekundärbildung :-)