Sonntag, November 28, 2010

in Begleitung

Es ist wieder Abend geworden. Müde trotte ich, wie viele andere auch, in den Zug und lasse mich auf meinen Sitz fallen. Er sitzt neben mir und telefoniert, geschäftlich, oder zumindest klingt es so. Von Zeit zu Zeit wirft er mir einen entschuldigenden Blick zu und zuckt mit den Schultern, wie um mir zu signalisieren, dass es leider gerade nicht anders geht, er aber gleich fertig ist. Ich lächle ihm beruhigend zu, denn von mir aus kann er so lange telefonieren wie er möchte, und krame schon mal mein Buch aus dem Rucksack.
Endlich legt er auf, lehnt sich seufzend in seinem Sitz zurück und erzählt, dass er einen anstrengenden Tag hinter sich hat. Dann sieht er mich an, und sagt:" Ich bin furchbar müde, ist es ok, wenn ich ein wenig schlafe?" Ich bin zuerst ein wenig verdattert, dass er mich überhaupt fragt, sage ihm aber nach einer kurzen Pause, dass es völlig in ordnung ist; ich habe ja mein Buch. Und im gleichen Moment komme ich mir etwas unhöflich vor, dass ich gleich nach dem Hinsetzen einfach so meinen Roman herausgekramt habe um zu Lesen und gar nicht dran gedacht habe, dass man eine Zufahrt ja auch mit netter Konversation verbringen können. Er scheint es aber nicht so schlimm zu finden, lehnt sich erschöpft zurück und schließt die Augen.
Ich hingegen sinniere noch ein wenig über meinen höflichen Begleiter......der mich doch gar nicht kennt (ich ihn übrigens auch nicht) und trotzdem Rücksicht auf mich nimmt. Ein wunderbarer Kontrast zu diesen Leuten.

Montag, November 22, 2010

Köksööööööö

So, die Nusskipfel sind schon mal fertig, die Zitronen-Kokos Kekse, sehr frei nach einem Rezept von Anke Groener , lungern im Ofen rum und der Heidesandteig kühlt noch im Kühlschrank aus. Jawohl, ich habe beschlossen die Backsainon zu beginnen und hey - es gibt doch wirklich schlechtere Dinge mit denen man seinen Montag rumbringen kann, nomnomnom *Kekstest*, oder?

Mittwoch, November 17, 2010

die Menschen sind alle schlecht

Dienstag Abend, ein ganz normaler Abend, mein Feierabend. Joggend erwische ich noch den 17.56 Uhr Metronom im Hauptbahnhof. Erfahrungsgemäß ist der Zug proppevoll, wie immer um diese Zeit, aber das kann mich glücklicherweise nicht schrecken, denn ich weiß ja wie ich an einen Platz komme. Und richtig, in einem der Wagen hat sich ein Ehepaar um die 60 Jahre zu zweit mit all seinen Taschen und Jacken auf einer Vierersitz breit gemacht; bisher waren anscheinend alle zu höflich sie anzusprechen. Ich wittere meine Chance!
Höflich lächelnd und als rundum nette und adrette Erscheinung, schließlich bin ich Bibliothekarin und komme gerade von der Arbeit, gehe ich auf die beiden zu und frage, ob sie mir einen der beiden Plätze freimachen könnten. Und bekomme von der Dame einen waidwunden Blick und ein "sind denn dahinten nicht auch noch irgendwo Plätze", begleitet von einer herablassenden wegwinkenden Handbewegung. Ihr Mann hält seinen Blick eisern aufs Sudoku gerichtet. Wie......ausgesprochen......nett! Mein Lächeln verkrampft sich ein wenig und ich bitte noch einmal etwas nachdringlicher darum einen der Plätze frei zu machen.
Mit einem Seufzer der Ergebenheit gibt sie sich geschlagen und nimmt eine Plastiktüte mit zwei Brettspielen auf den Sitz neben sich, während plötzlich Leben in den Mann kommt und er ihre Jacken in der Gepäckablage verstaut. Geht doch! Mit zusammengebissenen Zähnen bedanke ich mich artig und fange an unter dem missmutigen Blick den Dame mein Buch zu lesen. Und auch wenn ich des Gedankenlesens nicht mächtig bin, bin ich mir sehr sicher, dass sie im Geiste sehr lange und sehr anhaltend über die unverschämte Jugend von heute schimpft.
Eine Minute später bekommt ihre innerliches Geschimpfe auch gleich neue Nahrung, als nämlich der nächste Fahrgast ebenfalls sehr höflich bittet, sie möge die Spieletüte vom letzten freien Sitzplatz nehmen, damit er sich setzen kann.
Da ich nun sehe, dass ihr Urvertrauen in das Gute in den jungen Leuten von heute endgültig schwindet, versuche ich höflich zu sein und schlage ihr vor, sie könne die Tüte in die Gepäckablage zwischen den Sitzen neben mir zu stellen (in ihrer Sichtweite), damit sie sie nicht die ganze Zeit auf dem Schoß behalten muss. Panisch umklammert sie darafhin Tüte etwas fester."Nein, das mach ich nicht, dann verschwindet die doch sofort!" Höflich (man kann ich lange höflich sein) erkläre ich ihr, dass ich schon viele Male dort etwas abgestellt habe und dass noch nie etwas weggekommen ist. Dass vermutlich nicht mal jemand ihre Spiele haben wollen würde, wenn sie sie in den Gang stellte, sage ich natürlich nicht. Ich schlage also noch höflicher vor, dass ja sonst auch ihr Mann die Spiele neben seinem Sitz (etwas näher dran) verstauen könnte. Aber sie umklammert die Tüte nur noch etwas fester und panischer und sagt, dass sie auch dort bestimmt geklaut werden würden. Und dann beugt sie sich vor und zischt mir ins Gesicht "Die Menschen sind alle schlecht".
Den Rest der Fahrt presst sie dann ihre Spieletüte demonstrativ an sich und bedenkt mich mit Blicken, bei denen mir endgültig klar wird, dass ich zu den ganz schlechten Menschen dieser Welt gehören muss, da ich anscheinend nicht nur eine impertinente Sitzplatzergaunerin bin, sondern auch zu den miesen, fiesen Nepper-Schlepper-Bauernfängern gehöre, die in deutschen Pendlerzügen ältere Ehepaare um ihre hart erworbenen Brettspiele erleichtern will.
Jetzt doch ein wenig verschüchtert, drücke ich mich den Rest der Fahrt in meinen Sitz und lese, immer darauf wartend, dass mir irgendwann eine Spieletüte um die Ohren gehauen wird. Als ich dann in Lüneburg aufstehe, wirft sie mir noch einen letzten abfälligen Blick zu und stellt die Tüte dann demonstrativ-triumphierend wieder auf meinen Sitzplatz. Ihr Mann hat sein Sudoku endlich gelöst und sieht mir ein wenig überrascht hinterher.
Und ich? Ich verlasse den Zug und denke mir, dass nicht alle Menschen wirklich schlecht sind.....aber sehr viele verdammt seltsam.

Dienstag, November 09, 2010

Gimme Head with Hair...

Es gibt ja Frauen, die zum Friseur gehen, wenn sie sich mal was richtig Gutes tun wollen - eine für mich absolut lächerliche Vorstellung, da Friseurbesuche auf meiner Beliebtheitsskala irgendwo zwischen Zahnarzttermin und Akupunktur beim Orthopäden liegen. Denn meistens läuft das ganze so ab:

Ein wenig zögerlich betrete ich den Friseursalon, mir meine letzten Besuche in diesen heiligen Hallen in Erinnerung rufend; und auch meine Haare scheinen sich zu erinnern, denn statt fröhlich in alle Richtungen zu wuscheln, beschließen sie, sich auf der Stelle totzustellen und schlapp wie ein Bündel Wasserpflanzen von meinem Kopf zu hängen. Nicht schön - wie mir auch sofort der Blick sämtlicher im Raum befindlicher Friseurinnen bestätigt.
Irgendwann erbarmt sich dann eine der Damen und fragt mich nach meinen Wünschen (Ein Haus, ein Auto, tolle Haare wie Andie Mc Dowell sie hat.....). Auf mein entschlossenes "nur die Spitzen bitte, ich will sie gerade wachsen lassen" kommt er dann erst mal: Der Blick. "Der Blick" ist eine Mischung aus "war das ein Witz?", "warum kriege immer ich solche Kunden?" und "hat die denn keinen Spiegel?".
Und dann fängt der wirklich demütigende Teil an: mit spitzen Fingern beginnt die Dame an meinem Haar herumzuzupfen, wobei sie eine Reihe von mitleidig-erschütterten Seufzern von sich gibt, die vermutlich irgendwas zwischen "Tüte über den Kopf, dann sieht man das Elend nicht mehr" und "Langhaarschneider, 5 mm-Aufsatz" bedeuten. "Die sind aber ganz schön dünn"....*ziep*..... "und trocken".....*zupf zupf*....."und splissig sind die auch"......*zupf zuppel*........"benutzen Sie denn keine Kur?" Diese Frage ist übrigens eine Fangfrage und kann nicht richtig beantwortet werden. Denn erzähle ich pflichtschuldig, dass ich selbstverständlich regelmäßig derartige Pflegeprodukte zu mir nehme, heißt es sofort, das sei zu viel das Haar sei überpflegt; sage ich hingegen, ich würde nur hin und wieder mal zur Haarkur.....ja dann sei das ja alles kein Wunder, ich müsse mir ja nur regelmäßig dieses unheimlich tolle Produkt, das sie hier im Laden verkaufen, in die Haare schmieren und schon wären alle Probleme gelöst. Klappt nicht, weiß ich schon, habe ich ausprobiert. Aber das Argument, dass meine Haare immer so aussehen, egal was ich mache, zählt leider nicht.
Doch zurück auf den Frisierstuhl. Nachdem ich die Kurfrage grundsätzlich zur Unzufriedenheit der Friseurin beantwortet habe und der von mir am meisten gefüchtete Satz "da muss jetzt aber ganz viel ab" gefallen ist, beginnt das lustige Gefeilsche um die Länge dessen, was da fallen darf. Ich zeige 1,5 cm, die Friseurin ungefähr 12 cm; ich erhöhe auf 2, die Friseurin geht auf 10 cm runter; ich zeige 2,2 cm....... na ja, das ganze geht dann immer so weiter, bis sie mir zustimmt nur 3 cm abzuschneiden. Diese 3 cm-Spitzen haben dann in der Realität übrigens eine Länge von 6-7 cm, aber Längen sind ja eh etwas sehr relatives.
Nach dieser Prozedur sind meine Haare dann übrigens endgültig beleidigt und hängen noch ein bisschen schlaffer runter, so dass ich grundsätzlich beim Verlassen des Frisiersalons noch viel schlimmer aussehe als beim Betreten. Trinkgeld gebe ich natürlich trotzdem. Immer in der Hoffnung, dass es zu Hause dann alles wieder besser wird.

Falls mir also noch mal jemand einreden will, Friseurbesuch seien etwas tolles und entspannendes: Nein, sind sie nicht!